Hilfe dank der multimodalen Schmerztherapie

 

 

 

Zeven (uml). Chronische Schmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben, so leiden viele Menschen inzwischen an Beeinträchtigungen im Bewegungsapparat, die negative Auswirkungen auf das tägliche Leben und den Arbeitsplatz haben.

 

Die Krankheitsbilder sind vielfältig und reichen von Bandscheibenvorfällen über Migräne, Arthrose, rheumatischen Beschwerden, Fibromyalgie bis hin zu Patienten mit Gelenkersatz. Schlafstörungen, Rückzug von sozialen Kontakten und depressive Stimmungen sind ein Einstieg in einen immer schneller werdenden Teufelskreis, der für die Schmerzpatienten eine kaum zu erklärende Lebenssituation folgert.

 

Hier bietet eine Multimodale Schmerztherapie vielfältige Lösungsansätze und praktische Hilfe. Zum Glück gibt es im Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) in Zeven seit einigen Jahren eine Fachabteilung, die sich genau auf diese Schmerztherapie spezialisiert hat.

 

Ich leide seit einigen Jahren unter Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) und kämpfe jeden Tag dafür, dass meine Muskeln beweglich bleiben und die Schmerzen erträglich sind. Die Einweisung meines Hausarztes in die Multimodale Schmerztherapie im MLK sollte mir helfen, mit meiner Krankheit besser umzugehen und meine Lebensqualität wieder zu verbessern.

 

Die Aufnahme in der MLK war umfangreich und sehr intensiv. Mein erstes Gespräch mit der Psychologin Sandra Wilma dauerte fast eine Stunde, auch die Untersuchung und Anamnese bei der Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. med. Vivien Lange war sehr sorgsam. In der Physiotherapie kümmerte die Krankengymnastin Tanja Pragmann sich um mein Krankheitsbild, hinterfragte die einzelnen Schmerzpunkte und nahm eine Laufanalyse auf.

 

Bereits am ersten Tag wurde von den Krankenschwestern auf der Station mit den angenehmen Wohlfühlaktivitäten begonnen, die in den folgenden 17 Tagen täglich wechselten. So wurde jeden Tag etwas aus dem „Wellness-Repertoire“ Fango, Heiße Rolle, Quarkwickel, Entspannungsbad, Schröpfen, ein beruhigendes Fußbad und dem Paraffinbad für die Hände angeboten – und ich habe jede einzelne Anwendung genossen und sogar gelernt, welche Möglichkeiten ich zuhause nutzen kann.

 

Der täglich neu erstellte Therapieplan umfasste Einzel- oder Gruppentherapien bei den Physiotherapeuten, Entspannungseinheiten wie Yoga, Qi Gong, Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, Übungen im Bewegungsbad, verschiedene Massagetechniken und das regelmäßige Konditionstraining auf dem Ergometer.

 

Die Physiotherapeuten stellten sich täglich auf die am stärksten schmerzende Körperregion ein und gaben mir Hilfe zur Selbsthilfe. Hierbei wird mir auch in Zukunft das hauseigene Übungsbuch der Therapeuten weiterhelfen, denn dort sind die erlernten Übungen und auch Bewegungsabläufe des Qi Gong und Yoga einfach und schnell erklärt. Eine Anleitung zur Nutzung des Tens-gerätes (selbstregulierender Reizstrom) und die Anwendung der Bürstenmassage gaben uns Patienten die Möglichkeit auch zwischendurch etwas gegen die Schmerzen zu tun. „Alles was hilft, die Schmerzen zu vergessen und den Körper zu Entspannen ist ein Schritt in die richtige Richtung“ wurde uns immer wieder von den einfühlsamen Schwestern auf der Station ans Herz gelegt.

 

Chronische Schmerzen haben Auswirkungen auf die persönliche Lebensqualität und häufig folgt der Rückzug von Freunden und Bekannten, man gleitet ab in die Einsamkeit voller Schmerzen und Kummer, auch diese  Phase habe ich am eigenen Leib erfahren müssen. In der Multimodalen Schmerztherapie bieten die Psychologen verschiedene Seminare zum Thema Schmerz und Stress an und zeigen Lösungsansätze auf. In gemeinsamen Gruppengesprächen versuchen die Teilnehmer sich gegenseitig zu unterstützen und geben eigene Erfahrungen wider. Ausführliche, regelmäßige und einfühlsame Einzelgespräche helfen, die teilweise festgefahrenen Verhaltensmuster zu analysieren und bieten Möglichkeiten zur praktischen Lebenshilfe.

 

Bei einem Aufenthalt von über zwei Wochen hat man die Möglichkeit, die einzelnen Therapieangebote mindestens viermal zu nutzen, somit kann man besser herausfinden, was einem gut tut – und was nicht. Auch die zweimal in der Woche angebotene Fahrt ins Bewegungsbad in der OsteMed Klinik in Bremervörde zeigte mir Übungen im Wasser auf, die ich auch nach meinem Krankenhausaufenthalt weiter durchführen kann. Täglich führten  Dr. med Vivien Lange und Dipl. med Uwe Krüger eine Visite durch, bei der positive oder negative Entwicklungen, Wünsche und Anregungen sofort aufgenommen und umgesetzt wurden.

 

Eine der Behandlungen in der Schmerztherapie war auch die Anwendung von Blutegeln. Etwas gewöhnungsbedürftig war es für mich, diese  Jahrhunderte alte medizinische Anwendung auf dem Rücken zu erfahren. Bei mir wurden neun sogenannte „Einmal-Blutegel“ auf den Schmerzregionen Schulter/Nacken und Lendenwirbel gesetzt. Diese kleinen, an Nacktschnecken erinnernden Tierchen, suchen sich ganz alleine die Schmerzstellen und „beißen“ und saugen sich dann fest. Ein brennen, wie bei einem Mücken- oder Bremsenstich, ist kurzfristig zu spüren – dann kaum noch etwas. Die Blutegel saugen sich dann immer weiter voll bis sie „satt“ sind, dann fallen sie ab und werden – hoffentlich schnell – von den Schwestern eingesammelt. Da der Speichel von den Blutegel blutgerinnungshemmend und antithrombotisch wirkt, blutet der Einstich noch etwas nach und man sollte sich an dem Tag ruhiger verhalten. Da mir das Ganze, trotz komischem Gefühl, sehr gut bekommen ist, habe ich sogar ein paar Tage später nochmal Blutegel an meinem Fuß bekommen. Dieser schmerzte Jahrelang, ohne dass ein Arzt eine befriedigende Diagnose stellen konnte. Die kleinen, schwarzen Tierchen haben sich meinen Fuß vorgenommen und gut bearbeitet. Dort juckte es später noch einige Tage, aber zum Glück ist der unangenehme Druckschmerz weg, der mich in den letzten Jahren immer begleitet hat.

 

17 Tage dauert die multimodale Schmerztherapie im MLK und ich habe jeden Tag davon genossen. Die Mischung aus den vielfältigen therapeutischen Anwendungen, Entspannungseinheiten, Gesprächen mit den anderen Schmerztherapie-Patienten im gemütlichen Aufenthaltsraum und das Gefühl „Du bist nicht allein“ sorgen für eine bessere Akzeptanz der eigenen Krankheit und für eine Schmerzreduktion.